Montag, 30. Januar 2012
(Sächsische Zeitung)

Franzose gemixt

Von Bernd Stegemann

Citroën verkauft mit dem DS5 eine Mischung aus Coupé, Fließheck-Limousine und SUV mit Jetgefühl. Ein Auto mit Höhen und Tiefen.

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Eigenwillig: Beim Design beweist Citroën Mut. Der DS5 hat einen durchdringenden Blick und zeigt raffinierte Linien. Fotos. Autostraßenverkehr

Klar, über Geschmack lässt sich trefflich streiten. Zum Beispiel über sogenannte Crossover-Modelle. Denn es gibt gute Argumente für und gegen den Mix verschiedener Bauweisen und Stile, doch letztlich entscheiden allein Bauch und Augen, ob das Resultat gefällt.

Dem neuen Citroën DS5 darf man zumindest bescheinigen, dass er auffällt. Durchdringender Blick, raffinierte Linien und überraschende Details ergeben ein eigenständiges Profil, das sich nicht auf Anhieb in eine der üblichen Schubladen einordnen lässt. Am ehesten erinnert das Design an eine Kreuzung aus Coupé, SUV und Fließheck-Limousine. Im Innenraum hat wohl auch ein Jet Pate gestanden, wie die zahlreichen Schalter auf Mittelkonsole und Dachgalerie sowie die beim Start ausfahrende Plexiglasscheibe für das Head-up-Display zeigen. Mit der Zuordnung zu den jeweiligen Funktionen und ihrer Bedienung wird es schon schwieriger, und der verspielte Mix aus analogen und digitalen Anzeigen sowie fitzeliger Balkengrafik ist zwar originell, aber nicht besser als konventionelle Lösungen. Gleiches gilt für die insgesamt 14 Scheiben rundum, weil weder die Sichtverhältnisse noch das Raumgefühl wirklich überzeugen. Im Gegenteil: Vorn verdecken die geteilten A-Säulen den Ausblick, hinten stört neben den breiten Kopfstützen und Dachpfosten vor allem die vom Spoiler geteilte Heckscheibe mit dem wohl kleinsten Wischer der Welt.

Größe zeigt der DS5 hingegen bei Materialanmutung und Ausstattung, die speziell in der Topversion SportChic (6 700 Euro Aufpreis) kaum Wünsche offenlässt: Selbst elektrisch beheiz- und verstellbare Massagesitze vorn, Lederpolsterung, Bixenonlicht, Navigation und Rückfahrkamera sind hier Serie. Weniger üppig geht es vor allem im Fond zu, worauf schon der knappe Öffnungswinkel der Türen einstimmt. Die Platzverhältnisse erinnern eher an Kompakt- als Mittelklasse, weil nicht der größere C5 mit acht Zentimeter mehr Radstand als Basis diente, sondern der Peugeot 3008.

Auf eine hydropneumatische Federung wurde also ebenso verzichtet wie auf ein adaptives Fahrwerk, nicht aber auf eine im wahrsten Sinne erschütternd straffe Abstimmung. So steifbeinig, wie der DS5 durch den Stadtverkehr rumpelt, lautstark über Kanaldeckel poltert und selbst gepflegte Straßen zu Marterpisten macht, fühlt man sich eher in einen britischen Roadster als in eine französische Limousine versetzt. Mit höherem Tempo und größerer Zuladung wird es zwar erträglicher, aber mit Komfort hat das wenig zu tun. Auch nicht mit Dynamik, denn weder die starke Frontlastigkeit (63,3 Prozent) noch leichte Lastwechselreaktionen oder die synthetische, stößige und spitz ansprechende Lenkung wirken animierend.

Eher schon der kultivierte Zweiliter-Diesel, der seine 163 PS und maximal 340 Nm Drehmoment nach einer Anfahrlethargie geschmeidig an die Vorderräder weiterleitet, unterstützt von der besonnen schaltenden Sechsgang-Automatik. Die 8,2 Liter Testverbrauch pro 100 Kilometer (NEFZ: 5,9 Liter) gehen ebenso in Ordnung wie die kräftigen, standfesten Bremsen.

Das Angebot an Assistenzsystemen ist zwar gering, doch zumindest auf einen Müdigkeitswarner kann man getrost verzichten. Dessen Funktion übernimmt schließlich das Fahrwerk.

Fazit: Design, Ausstattung und Antrieb des Citroën DS5 können gefallen, der dürftige Komfort und die schlechte Übersichtlichkeit dagegen nicht.