Montag, 10. Oktober 2011

Facelift für einen Franzosen

Von Jörn Thomas

Der Renault Koleos sieht nun schöner aus, fährt sparsamer und bietet mehr Komfort. Reicht das?

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Schöner Schein: Nach dem Facelift hat der Koleos eine bessere Materialanmutung, LED-Blinker in den Spiegeln, eine erneuerte Frontpartie mit geändertem Grill und Scheinwerfern. Foto: Autostraßenverkehr

Manchmal ist es doch schön, eine große Familie zu haben – zeigt jedenfalls das Beispiel Renault Koleos. Er ist im Wesentlichen eine Entwicklung der südkoreanischen Tochter Samsung, profitiert andererseits von einer renaulttypischen Cockpitgestaltung sowie deren Dieselmotoren, während der optionale Allradantrieb von Partner Nissan stammt und dort den X-Trail mobilisiert. Kann so ein Mix funktionieren? Nun: bislang eher so là là als o là là. Der im koreanischen Bursan montierte Kompakt-SUV kam gegen die harte Konkurrenz von Nissan Qashqai bis VW Tiguan nie in die Spur. Wohl auch wegen seines Designs ohne klare Markenidentität.

Wie er aussieht

Beim Facelift verpasste Renault seinem Offroader Koleos ein neues Gesicht. Nicht, dass uns ein lifestyliger Szene-Knaller erwarten würde, doch gefälliger als früher sieht der Neue allemal aus. Was das Fahnden nach seinen Talenten erleichtert. Und das sind gar nicht so wenige. Die Sitzposition ist SUV-typisch erhöht, die Übersicht ordentlich.

Der Qualitätseindruck ist ebenfalls ordentlich: sowohl bei den weich geschäumten Oberflächen als auch bei den exakt arbeitenden Tasten und Reglern. Die Klimabedienung stammt von Nissan, das Infotainment liefert Renault, TomTom übernimmt die Navigation. Die nicht immer hundertprozentig präzisen Ansagen lassen sich verschmerzen, das System ist serienmäßig.

Wie er augestattet ist

Ein wesentliches Koleos-Merkmal ist seine umfangreiche Ausstattung – auch nach dem Facelift bleibt das so. Doch die bisherige, selten gewählte Basisversion entfällt nun. Die Zukunft startet für 28 990 Euro mit dem dCi 150 4x2 Dynamique. Er hat Navigationssystem, Stereoanlage, Zwei-Zonen-Klima, schlüssellose Bedienung, Einparkhilfe, 17-Zoll-Räder, Tempomat und mehr dabei. Wer – wie 90 Prozent der Kunden – die gehobene Version „Night and Day“ wählt, erhält 18-Zöller, Panoramadach, Lederpolster, Soundsystem et cetera.

Koleostypisch sind zudem eine geteilt zu öffnende Heckklappe. Der untere Teil verkraftet bis zu 200 Kilogramm. Auch das „Easybreak“-System gehört dazu: Auf Hebelzug schnappen Fondsitzflächen hoch und die Lehnen liegen flach. Der Gepäckraum erweitert sich so von 450 auf 1 380 Liter, bei umgeklapptem Beifahrersitz stehen 2,60 Meter Ladelänge parat. Nicht zu vergessen die 70 Liter an Ablagen inklusive einer Staubox in der Mittelkonsole.

Wie er fährt

Und wie fährt der Koleos? So wie vorher – kein Wunder, sein Fahrwerk blieb unverändert. Schade, die Lenkung arbeitet indirekt, das Handling fällt für Größe und Gewicht überraschend träge aus. Immerhin akzeptiert der kompakte SUV selbst ungepflegte Pisten ohne störende Stößigkeit, präzise Rückmeldung überlässt er jedoch anderen. Dafür weiß er sich im Gelände mit seinem elektronisch geregelten, auf Knopfdruck im Verhältnis 50 zu 50 sperrbaren Allradantrieb zu helfen. Wer das nicht braucht, kann auch zu einer rein vorderradgetriebenen Variante greifen. Wie die meisten Kunden übrigens, die zudem vorzugsweise Diesel ordern. Kein Wunder: Der Zweiliter, mit 150 und 173 PS erhältlich, überzeugt durch angenehme Kraftentfaltung. Bereits die schwächere Variante bietet ausreichend Drehmoment, überdies reduzierte Renault den Verbrauch und die Kohlendioxid-Emissionen. Als spaßbremsend erweisen sich jedoch das verzögerte Ansprechverhalten beim Gaswegnehmen und die mäßige Laufkultur. Der von Piezo-Elementen versorgte Vierzylinder nagelt kräftig und neigt unter Last zu spürbaren Vibrationen. Ein Malus, der allerdings bei konstanter Fahrt in den Hintergrund tritt.

Fazit

Träge und undynamisch wie bisher fährt sich der Koleos, gefällt jedoch mit befriedigendem Komfort und guter Praxistauglichkeit.