Montag, 1. August 2011

Taiwanroller geht ab

Von Werner Wagner

Zweirad. Das überarbeitete Topmodell von Kymco überzeugt.

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Fast schon wie ein Bike: Taiwanroller Kymco Xciting 500i R ABS Foto: Hersteller

Der Markt der großen Motorroller ist hart umkämpft. Daher müssen sich die Hersteller etwas einfallen lassen, um Käufer zu finden. Der taiwanesische Produzent Kymco ist bekannt für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und hat sein Topmodell Kymco Xciting 500i R ABS überarbeitet. Das aktualisierte Modell erhielt ein neues Kleid und – das gab es bislang bei den Rollern noch nicht – LED-Tagfahrscheinwerfer und LED-Blinker. Dokumentiert wird dieses neue Gewand mit dem Zusatz „Evolution“ in der Typbezeichnung. Dass die Designer bei der neuen Verkleidung ganze Arbeit geleistet haben, zeigt sich recht schnell im Alltag: Noch nie wurde man auf einem Roller so oft von Motorradfahrern gegrüßt wie auf dem neuen Xciting.

Dazu muss man wissen, dass die meisten Biker sich lieber den Arm abhacken würden, als einen Scooter durch einen Gruß quasi als Gleichberechtigten zu behandeln. Die neu gezeichnete Frontpartie bringt neben dem Prestigegewinn auch eine deutlich bessere Erleuchtung bei Fahrten in der Dunkelheit. Und – noch schlimmer – einige Motorradfahrer mussten auf unseren Testrunden wahrscheinlich zähneknirschend akzeptieren, dass der Taiwan-Roller ganz schön flott abgeht, und auf Landstraßen durchaus mithalten kann oder – Höchststrafe für Biker – sie gar überholt. Diesen sportlichen Auftritt verdankt der Kymco seinem bärenstarken Einzylindermotor.

Das straffe Fahrwerk, der lange Radstand von 1,59 Metern und der tiefe Schwerpunkt lassen den Roller unbeirrt über die Straße rollen, idealerweise geht es dabei möglichst geradeaus. Denn das im Leerzustand bereits 221 Kilogramm schwere Gefährt und eine eher sture, etwas unhandliche Auslegung des Fahrwerks machen sportlich-zügige Kurvenfahrten zu einer echten Arbeit und sollten nur mit entsprechender Erfahrung angegangen werden.

Die flotte Gangart hat auch ihren Preis, wie man spätestens nach gut 200 Kilometern feststellt: Da leuchtet schon das Reservelicht im sehr übersichtlichen und umfangreichen Cockpit auf. Die kleine Lampe warnt allerdings viel zu früh, denn mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,2 Litern Superbenzin auf 100 Kilometern bleibt stets noch ausreichend Reserve. Dieser Spritkonsum ist kein besonders vorbildlicher Wert und vor allem auf die Lust an der zügigen Gangart zurückzuführen. Ärgerlich ist die wenig praxistaugliche, weil unübersichtliche und enge Einfüllöffnung des Tanks an der rechten Seite der Verkleidung. Nur allzu oft schwappt der kostbare Sprit beim Tanken über. Ebenfalls Kritik verdient das minimalistische Staufach unter der Sitzbank, in das gerade mal ein Helm passt. Immerhin ist es beleuchtet und hat eine Ladestation fürs Mobiltelefon.

Fazit

Der Kymco Xciting 500 iR ABS Evolution überzeugt neben den Leistungs- und Fahrwerten mit einem guten Platzangebot für Fahrer und Beifahrer, vibrationsfreien Rückspiegeln, exzellenter Bremsanlage, lauter Hupe, ordentlicher Verarbeitung und einem konkurrenzfähigen Preis. (mid)