Dienstag, 26. Juli 2011
(Sächsische Zeitung)

Einser für alle

Von Werner Schruf

BMW. Das neue Einstiegsmodell hat mehr Platz, federt besser und fährt sich dynamischer. Eindrücke vom 118i mit 170 PS.

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Zum Freuen: Auch der neue Einser glänzt mit sportlichen Eigenschaften.

Jung, frech, dynamisch – so soll auch der neue Einser Kunden für BMW erobern. Sein Vorgänger hat innerhalb von sieben Jahren über eine Million Menschen ins weiß-blaue Lager geholt. Werden die unverändert weitergebauten Derivate Coupé und Cabriolet mitgezählt, erhöht sich die Verkaufsziffer auf gut 1,2 Millionen Exemplare. Ein schönes Ergebnis für einen Frischling in der hart umkämpften Golf-Klasse.

Um die Erfolgssträhne nicht abreißen zu lassen, hat BMW bei der Neuauflage konsequent häufig bemängelte Schwächen ausgemerzt und bekannte Stärken optimiert. Beispielsweise den Auftritt: Der Einser kommt jetzt deutlich erwachsener daher, was er seinem um drei auf 269 Zentimeter verlängerten Radstand, breiteren Spurweiten, der stämmigeren Statur, elegant in die Schürzen integrierten Stoßfängern und vor allem den breiten Schultern zu verdanken hat. Das Längenwachstum um achteinhalb Zentimeter kommt in erster Linie dem Raumangebot im hinteren Wagenteil zugute. 21 Millimeter mehr Kniefreiheit im Fond klingt nach wenig, doch sorgen die dafür, dass jetzt auch zwei Erwachsene akzeptable Platzverhältnisse vorfinden. Eine etwas abgesenkte Seitenfensterkante verbessert das Raumgefühl auf den Fondsplätzen, nahezu rechtwinklig öffnende Türen erleichtern den Einstieg.

Noch kein Raumwunder

Auch der Kofferraum hat gewonnen. Zum einen fasst er jetzt 360 Liter, was einem Zuwachs von knapp zehn Prozent entspricht und ihn auf das in der Kompaktklasse übliche Niveau hievt. Zum anderen ist der Ausschnitt breiter, den die ungewöhnlich weit aufschwingende Heckklappe freigibt. Das begünstigt das Einladen sperriger Gegenstände. Gegen 260 Euro Aufpreis bietet BMW eine praktische, im Verhältnis 40:20:40 geteilte Rücksitzlehne an, deren Teile jeweils mit einem simplen Handgriff vorgeklappt werden können. So entsteht ein nahezu ebener Laderaum mit einem dachhoch gemessenen Volumen von 1.200 Liter.

Machen wir uns nichts vor: Von einem Raumwunder ist auch der neue Einser meilenweit entfernt. Das liegt an seinem Antriebslayout mit Längsmotor vorne und Hinterradantrieb. Dafür bietet dieses Konzept im Vergleich zum Frontantrieb andere Vorteile: etwa günstige Voraussetzungen für prima Lenkeigenschaften, weil die Vorderräder nur Quer- und keine Längskräfte übertragen müssen, sowie für neutrales Eigenlenkverhalten und gutes Handling. Hier liegen auch die Stärken des einzigen Hecktrieblers in der Kompaktklasse. Gegenüber seinem Vorgänger fegt der neue Einser noch schneller und wie an der Schnur gezogen um die Ecken und zeigt kaum spürbare Karosseriebewegungen. Seine elektrisch unterstützte Lenkung begeistert mit guter, feinfühliger Rückmeldung und präziser, sehr zielgenauer Umsetzung der Lenkbefehle. Die optional erhältliche Sportlenkung mit Servotronic bringt mehr Direktheit und Lenkwiderstand ins Spiel, macht die Sache aber deshalb nicht grundsätzlich besser.

Das gilt auch für das Spiel mit dem serienmäßigen Fahrerlebnisschalter. Wie bitte? Ein Extra-Schalter, um ausgerechnet in einem BMW-Werbeslogan: Freude am Fahren – das Fahren zu erleben? Ja. Eine Taste auf der Mittelkonsole wechselt vier Modi: Eco Pro, Comfort, Sport und Sport plus. Sie beeinflusst die Kennlinien von Gaspedal, Zweistufen-ESP und Sportlenkung sowie die Dämpferhärte des sportlich ausgelegten adaptiven Fahrwerks. Zudem wird die Schaltdynamik der butterweich und schnell agierenden Acht-Gang-Wandlerautomatik verändert. Viel Aufwand, wenig Ehr‘: Am besten und sehr zufrieden fährt man im Comfort-Modus. Sogar hier wünscht sich mancher ungeachtet der spürbaren Fortschritte zum Vorgänger ein noch sensibleres Anfedern auf kleinen Unebenheiten sowie ein sanfteres Abrollen der 17-Zoll-Runflat-Reifen. Was steckt hinter Eco Pro? Eine Aufforderung zum sparsamen Fahren. Der Motor nimmt unwilliger Gas an, Piktogramme wie Schaltstock und Gasfuß geben Fahrtipps.

Fahrspaß per Knopfdruck

Zunächst gibt es in der neuen Limousine – der Zweitürer folgt 2012 – nur Vierzylinder. Neu: die 1,6-Liter-Benziner mit Direkteinspritzung, variablen Steuerzeiten, veränderbarem Ventilhub (Einlass) und zweiflutigem Turbolader. Der 170-PS-Motor im 118i hängt gut am Gas, schiebt kräftig ab 2 000 Touren, dreht freudig, läuft leise und kultiviert. Erwähnung verdient die neue, rund 1900 Euro teure Urban-Linie. Hier glänzt vornehm und ganz chic weißer Lack – auf Felgen, an Außenspiegeln sowie im Cockpit auf Akzentleisten. Lassen wir die Gimmicks mal außer Acht: Der Einser hat rundum gewonnen und sich zu einer ausgewogenen Sport-Limousine gemausert.