Samstag, 11. Juni 2011
(Sächsische Zeitung)

Carsharing privat


Alternative. Im Internet finden sich Autobesitzer und Nutzer. Oft wohnen sie nah beisammen.

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Schlüsselübergabe: Auch Nachbarn können sich ein Auto teilen. Internet-Anbieter wie Autonetzer vermitteln die Kontakte. Foto: dpa

Nachbarschaftsauto, Tamyca oder Autonetzer heißen Anbieter. Sie wollen eine Alternative zu kommerziellen Fahrzeugvermittlern sein. Christian Kapteyn ist Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Nachbarschaftsauto. Für ihn ist die Art und Weise, wie Autos in der Regel genutzt werden, Ressourcenverschwendung: „Vor allem, wenn man bedenkt, dass private Autos am Tag durchschnittlich nur eine Stunde bewegt werden.“ Dieser Stillstand brachte ihn auf die Idee zu dem Online-Angebot. Er will private Anbieter und Nutzer aus der Nachbarschaft zum Autoteilen zusammenbringen.

Das Ganze funktioniert so: Ein potenzieller Auto-Leiher gibt nach einer Registrierung an, wo, wann und für wie lange er ein Fahrzeug sucht. Aus der Datenbank werden dann passende Angebote herausgesucht und die Kontaktaufnahme ermöglicht. Werden sich Leiher und Verleiher handelseinig, schließen sie einen Überlassungsvertrag.

Neben günstiger Miete sei vor allem die Nähe der Nutzer zueinander ein Vorzug gegenüber anderen Anbietern, sagt Kapteyn. Im Idealfall leihe man sich ein Auto von jemandem, der in der gleichen Straße wohnt. Nach ihrer kostenlosen Startphase wollen Nachbarschaftsauto und Autonetzer jedoch bald eine Servicegebühr erheben. Lob für die Projekte kommt vom ökologisch orientierten Verkehrsclub Deutschland (VCD). Gerade in ländlichen Regionen sowie in kleinen und mittleren Städten könnten sie kommerzielles Carsharing ergänzen. Denn gerade auf dem Land funktioniere die Idee des herkömmlichen Carsharings oft nicht – mangels Angebot.

Bei der Versicherung gehen die Anbieter für privates Carsharing unterschiedliche Wege. Bei Nachbarschaftsauto ist der Verleiher so abgesichert, dass seine eigentliche Autoversicherung im Schadensfall nicht in Anspruch genommen wird. Bei Autonetzer tritt der Halter einer speziellen Carsharing-Versicherung bei, die alle Schäden von Carsharing-Fahrten sowie Privatfahrten abdeckt.

Kritik an dem neuen Angebot übt der ADAC. Jurist Klaus Heimgärtner hält den finanziellen Vorteil für den Halter für fraglich. Den Einnahmen stehe die Abnutzung des Autos und der damit verbundene Wertverlust durch die zusätzlich gefahrenen Kilometer entgegen. Zudem überlasse man einem fremden Menschen einen wertvollen Gegenstand. Dieses Risiko sieht auch Kapteyn: „Ein gewisses Grundvertrauen muss man als Verleiher schon mitbringen.“ Ein Bewertungssystem auf der Website soll letzte Zweifel zerstreuen. (dpa)